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Palettentausch im Wandel

Was haben Köln, Bonn und die Schweiz gemeinsam? Sie bilden wichtige Koordinaten im grenzüberschreitenden Palettentauschsystem. Galt bis Ende 2007, dass die große Mehrzahl der Verlader in Deutschland sich des so genannten weißen Pools bedienten, in dem sie nach dem "Kölner" oder dem "Bonner" Tauschsystem Paletten tauschten, sorgten vor gut einem Jahr die Schweizer für Gesprächsstoff in der Branche. Die Mitglieder des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands ASTAG kündigten an, zum Ende des Jahres 2007 Transportpaletten nicht mehr wie bisher automatisch und kostenlos auszutauschen. Damit ging zum einen die Verantwortung vom Transporteur auf die Warenversender und -empfänger über. Zum anderen war dies der Startschuss für neue Geschäftsmodelle, wie etwa das Bereitstellen von Mietpaletten.
300-350 Millionen Europaletten bildeten und bilden die Basis des weißen Pools, des größten Palettentauschsystems in Europa. Wie der Name Europalette schon nahe legt, sind die Güterträger aus Holz genormt, so dass sie unabhängig vom Hersteller und Nutzer eingesetzt und ausgetauscht werden können. Die Verantwortung für die Beschaffung, Administration und Unterhalt der Paletten ist mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden und lag ausschließlich beim Transporteur. Dieser unterlag der Verpflichtung, nur Markenpaletten in den Pool einzuschleusen, ständig für einen Ausgleich zwischen ein- und ausgehenden Paletten zu sorgen, deren Qualität an jeder überbetrieblichen Schnittstelle zu prüfen sowie beschädigte Paletten durch neue oder neuwertige zu ersetzen. Dabei wurden während des Gütertransports beladene Warenträger entweder "Zug um Zug" durch leere ausgetauscht (Kölner Palettentausch). Oder es erfolgte der "Bonner Palettentausch" mit Rückführungverpflichtung, bei dem Leerpaletten an der Entladestelle getauscht und an die Beladestelle zurückgeführt wurden.

Nachdem bereits 1998 die Schweizerischen Bundesbahnen SBB aus diesem Ringtauschsystem ausgestiegen waren, sah sich 2007 auch die schweizerische Straßentransportbranche nicht mehr in der Lage und willens, die Verantwortung für den Palettentausch zu tragen. Mit Hinweis auf andere europäische Länder, die schon seit langem anders verfahren, stieg die Schweiz endgültig aus dem grenzüberschreitenden Palettentausch aus. Seit Anfang 2008 liegt die Palettenbewirtschaftung daher bei den Warenversendern und -empfängern; neu ist indessen auch die rechtliche Behandlung der Paletten, die als reine Ladehilfsmittel und somit als Teil der Verpackung angesehen werden. Hiermit sind sie Bestandteil des Transportauftrags des Kunden und werden in der Folge in die Produktpreise des Warenversenders mit eingerechnet.

Der Ausstieg der Schweiz ist indessen nicht das Ende des Tauschsystems: Die Transportunternehmen übernehmen nun den Transport von Leerpaletten nur noch gegen einen frachtpflichtigen Transportauftrag. Gleichzeitig sinken für sie die Belastungen durch den hohen administrativen, personellen und finanziellen Aufwand, der mit der Palettenbewirtschaftung verbunden ist - Kosten, mit denen jetzt die Warenwirtschaft und der Handel konfrontiert sind. Dieses Vorgehen, das den Palettentausch "Zug um Zug" weiterhin ermöglicht, ist Gegenstand eines Lösungsmodells, das der auf Prozessoptimierung und Kollaboration spezialisierte Logistikverband GS1 Schweiz mit Vertretern aus Handel und Industrie erarbeitet hat. Ziel des entwickelten Ansatzes ist es, die Kosten auf alle Systemnutzer möglichst gerecht und transparent zu verteilen. Sein Erfolg steht und fällt mit der Akzeptanz bei den Nutzern des Systems.

Eine Alternative für Versender und Empfänger zum oben skizzierten Modell sind das Outsourcen der Palettenbewirtschaftung und/oder der Einsatz von Mietpaletten. Zwar verweist etwa die Gütegemeinschaft Paletten GPAL darauf, dass allein in Deutschland 2007 rund 23 Millionen neue Paletten gefertigt wurden. Dieses Plus von 22 Prozent ggü. dem Vorjahr widerlege alle Gerüchte um eine Krise in der Palettenbranche. Dennoch machen andere Marktteilnehmer die Erfahrung, dass Paletten - auch durch die neue Kostenregelung - von den Verladern deutlich länger eingesetzt werden. Dadurch seien Qualitätsmängel bei den Warentransportträgern nicht auszuschließen. Ein Aspekt, den sich zunehmend professionelle Anbieter von Mietpaletten z. B. aus Kunststoff zunutze machen, um auf dem weiterhin expandierenden Logistikmarkt ins Geschäft zu kommen.
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