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RFID – aufwendig, unsicher und zu teuer?

Hätten Sie gewusst, dass die ersten RFID-Anwendungen bereits gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurden, um durch Transponder an Flugzeugen und Panzern zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können?

Die ersten kommerziellen Vorläufer der heutigen RFID-Chips kamen in den 70er Jahren auf den Markt. Doch es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis 1999 mit Gründung des Auto-ID-Centers am Massachussetts Institute of Technology die Entwicklung eines globalen Standards zur Warenidentifikation eingeläutet wurde. Heute ist die Logistik Haupteinsatzbereich von RFID und findet neben optischen Lösungen wie Barcode oder Data Matrix Code vor allem im Bereich Materialfluss Verwendung. Laut der Unternehmensberatung McKinsey ist heute nur jeder zwanzigste Artikel, aber jede dritte Verpackung und jede zweite Palette durch RFID identifizierbar. Gleichwohl ist die Radiofrequenz-Identifikation nicht unumstritten.

Was spricht gegen die kleinen Transponder? Im Wesentlichen lassen sich bei den Kritikern vier Argumentationslinien identifizieren: Große Probleme sehen die meisten Skeptiker bei der Integration von RFID in bestehende interne, aber vor allem in unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse. Dass die Kosten von RFID den Nutzen dieser Technologie übersteigen bzw. dass Letzterer sich nicht zuverlässig prognostizieren lasse, ist ebenfalls ein vielgenannter Kritikpunkt. Vorbehalte gegen Qualität und Funktionalität stehen dem Einsatz von RFID dagegen seltener entgegen. Ungeklärte rechtliche Aspekte und Datenschutzgründe spielen für Unternehmer bei der Entscheidung gegen RFID offensichtlich vor allem indirekt eine Rolle. Unterstützt durch die scharfe öffentliche Kritik gerade von Datenschützern befürchten viele Kunden durch die Kennzeichnung bis hin zur Artikelebene die Verletzung ihrer Privatsphäre. Zwar werden Warendaten beim Einkauf personenunabhängig gespeichert, bei Bezahlung mit EC- oder Kundenkarte lassen sich jedoch problemlos personalisierte Personen- und Bewegungsprofile erstellen. Die Metro AG sah sich denn auch durch massive Proteste, u. a. die Verleihung des „Big Brother Awards“ für die besondere Gefährdung von Privatsphäre, dazu genötigt, ihre RFID-Strategie zu ändern.

Weil die Erprobung neuer Technologien in der Praxis vergleichsweise teuer ist, greifen viele Interessenten auf das Angebot von RFID-Testlaboren zurück. Hier können zumindest die technischen Funktionalitäten in simulierten unternehmensindividuellen Bedingungen überprüft werden. Großkonzerne wie eben Metro oder Rewe mit ihrem enormen Warenfluss haben naturgemäß ein großes Interesse daran, diesen kontinuierlich zu optimieren, daher haben gerade diese beiden eine Vorreiterrolle beim Einsatz von RFID im Groß- und Einzelhandel übernommen.

Eines von zahlreichen Pilotprojekten starteten beispielsweise die Rewe Group, der Getränkehersteller Coca-Cola und die RFID-Experten vom openID-center des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund im vergangenen Jahr. Ausgangsbasis war, dass die Potenziale der Technologie auch deshalb bislang noch nicht voll ausgeschöpft werden, weil die Stückkosten der nur einmal zu verwendenden Transponder trotz stetig fallender Preise mit rund 10 Cent immer noch recht hoch sind. Die Materialkosten sowie die Aufwendungen für die Umrüstung oder Neuanschaffung von notwendigen Maschinen übersteigen damit noch immer die Einsparungen bei den manuellen Prozessen. Können die RFID-Tags jedoch mehrfach verwendet werden, etwa beim Einsatz von getagten Ladungsträgern, sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung schon ganz anders aus. Die Mehrwegpaletten, auf denen die Softdrinks in den Handel kommen, wurden folglich mit Transpondern ausgestattet, auf denen die sogenannte GRAI (Globale Identifikationsnummer für Mehrwegverpackungen) gespeichert ist. Diese hilft, beim Palettenmanagement den Überblick zu behalten und einen reibungslosen logistischen Prozess sicherzustellen. Die immer präzisere Kennzeichnung von rückgabefähigen Transportartikeln (RTI) ermöglicht nicht nur eine Verringerung der Anschaffungskosten von Transpondern, sondern auch eine deutlich höhere Effizienz beim Steuern des Warenflusses auf der einen Seite und der Behälterlogistik auf der anderen Seite. Und so zeigte sich auch der Paletten-Pooling-Spezialist Chep, zuständig für die Bereitstellung der Warenträger, zufrieden mit den neuentwickelten Mehrwegtranspondern.
Dennoch führen nicht alle Pilotprojekte zum Einsatz der getesteten Prozesse auf breiter Fläche. Die Rewe Group und Metro hatten als erste Handelsunternehmen von ihren Zulieferern die Ausstattung von Paletten und Kartons gefordert, um eine Verbesserung der Qualität im Wareneingang zu erzielen. Rewe hat den Rollout in den Rewe-Lagern jedoch im Frühsommer 2009 gestoppt. Statt dessen soll jetzt der Einsatz von RFID vornehmlich bei der Verfolgung von Mehrwegbehältern erfolgen, siehe oben. Mancher Lieferant, der noch nicht auf die geforderte Technologie umgestellt hatte, mag sich jetzt bestätigt sehen. Fakt ist jedoch, dass das Rewe-Management zu dem Schluss gekommen ist, dass sich RFID in diesem Bereich für den Konzern heute noch nicht rechnet. Eben: Noch nicht. Aber vielleicht bald.

Abschließend bleibt daher zu bemerken, dass die Forschung natürlich auch bei der Entwicklung von RFID nicht stehen bleibt. Die Konzentration auf die mehrfache Verwendbarkeit von Transpondern in geschlossenen Systemen wurde bereits erwähnt, diese lässt sich aber beim Masseneinsatz von Konsumgütern nicht realisieren. Eine die Umwelt schonende Alternative zum Elektronikschrott könnte im Einsatz anderer Materialien, etwa auf Polymerbasis, liegen. Die Bedenken der Datenschützer versucht man indessen durch sogenannte „Clipped Tags“ auszuräumen, die vom Kunden selbst nach dem Kauf der Ware entfernt und/oder deaktiviert werden könnten. Fazit: Das letzte Kapitel der RFID-Geschichte ist noch längst nicht geschrieben, es bleibt spannend!

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