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40 Millionen für Ruhr-Logistik: Tante Emma 2.0

Der EffizienzCluster LogistikRuhr ist einer der Sieger des Spitzenclusterwettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Damit sicherte sich das Konsortium unter der Leitung des Dortmunder Fraunhofer Instituts IML für die kommenden fünf Jahre Fördermittel in Höhe von rund 40 Millionen Euro. Insgesamt 124 Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstitute haben sich im EffizienzCluster LogistikRuhr zusammengeschlossen. Für die logscout-Redaktion Grund genug, eines dieser Projekte einmal genauer zu betrachten. Im Forschungsprojekt „Urban Retail Logistics“ kooperieren Wettbewerber, um bestehende Handels-, IT- und Logistikkonzepte in Bezug auf das zukünftige Konsumverhalten anzupassen. Was verbindet nun eine rüstige Seniorin, einen Juniormanager und einen Opernpianisten? Ganz einfach: Ihr Bedarf an individuellen Handelskonzepten. Eine mögliche Antwort könnte „Tante Emma 2.0“ lauten. Aber lesen Sie selbst!
Hannelore Wiesner ist 76 Jahre alt, aber kann sich noch selbst versorgen. Einzig das tägliche Einkaufen fällt ihr immer schwerer, da sie kein Auto hat. Jörg Mendel hingegen ist als Juniorberater in einer Consulting-Firma zwar äußerst mobil, aber durch seinen 15-Stunden-Tag zeitlich stark eingeschränkt. Quan Li ist Pianist an der Oper und lebt gern in Deutschland. Einzig die Auswahl im Lebensmittelmarkt seiner Wohngegend ist ihm für die Zubereitung seiner Heimatküche zu einseitig.

Die Rentnerin, der Juniorberater und der Pianist haben einen gemeinsamen Wunsch: Handelskonzepte, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen. Stark diversifizierte Kundengruppen sind ein typisches Beispiel für den derzeitigen Wandel gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, denen sich auch der Lebensmittelhandel stellen muss.

Kunden wollen heute Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe, in denen sie frische Lebensmittel kaufen und weitere Produkte bestellen können, um sie am nächsten Tag abzuholen. Sie wollen bessere Bestellmöglichkeiten über Handy oder Internet, flexible Anlieferungen am späten Abend oder eine problemlose Verfügbarkeit exotischer Artikel. Gleichzeitig haben sie ein Bewusstsein für Gesundheit und Umwelt und verlangen zunehmend „Bio“ und „regionale Herkunft“.

Kundenwünsche spiegeln Individualität

Handelskonzepte müssen zukünftig immer individuellere Kundenwünsche befriedigen. Zur Erlangung einer höheren Flexibilität spricht mancher Händler z. B. von einer „Renaissance“ des Tante-Emma-Konzeptes auf geringerer Gesamtfläche. Doch schlicht zurück zum Althergebrachten reicht nicht aus, denn die Kundenanforderungen von heute lassen sich nicht einfach mit Konzepten von gestern zufriedenstellen. So arbeiten verschiedene Händler derzeit an der Kombination von Nahversorgung mit Bio-Sortimenten und Erlebnisgastronomie.

Auch die Logistik wird hierdurch deutlich gefordert. So werden sich Bestellmengen durch die Senkung der Ladenfläche weiter reduzieren und Anlieferungen werden im Schnitt kleiner; nicht gerade eine kostenoptimale Entwicklung. Hinzu kommt in verkehrsstarken Ballungsgebieten, dass eine effiziente Belieferung immer stärker eingeschränkt wird, sei es durch eine steigende Anzahl von Verkehrsstaus oder durch Restriktionen von Anlieferungszeiten. Und auch das Thema Umweltzone sorgt bei der Gestaltung der zukünftigen Belieferung von urbanen Regionen für Verunsicherung.

Diese Entwicklungen machen es notwendig, die bestehende Handelslogistik grundlegend auf den Prüfstand zu stellen. Mit dem Forschungsprojekt „Urban Retail Logistics“ soll ein großer Schritt zur Erneuerung und Verbesserung der urbanen Handelslogistik gemacht werden. Das Vorhaben ist in drei Themenbereichen aufgebaut: Logistische, informationstechnische und handelsbezogene Perspektiven werden ganzheitlich betrachtet.

Bestehende Handelskonzepte weiterentwickeln und ergänzen



Im Forschungsprojekt ist eine Umgestaltung und Ergänzung vorhandener Einzelhandelskonzepte geplant. Unter dem Titel „Tante Emma 2.0“ wird derzeit die Vision eines Geschäftskonzeptes geführt, das in direkter Wohnumgebung liegt und neben dem vorhandenen Sortiment auch ein virtuelles Sortiment anbietet. Damit muss nicht mehr das Gesamtsortiment in der Filiale vorhanden sein, seltener frequentierte Artikel werden vom Kunden bestellt und innerhalb eines kurzen Zeitraums geliefert. Teure Ladenfläche in Ballungsräumen wird eingespart, die hohe Warenverfügbarkeit jedoch bleibt erhalten. Dieses Konzept soll außerdem durch neue Bestell- und Liefermodelle ergänzt werden, die z.B. einen Kauf über Smart Phones oder das Internet ermöglichen.

Um neue Handelskonzepte über die Logistik optimal zu bedienen und gleichzeitig Restriktionen in der Belieferung von Innenstadtlagen zu reduzieren, sind auch neue Ansätze für die Handelslogistik notwendig. Im Projekt werden dazu Möglichkeiten von Kooperationsformen auf Basis von Ad-hoc-Netzwerken erforscht. Zielsetzung ist die vereinfachte Bildung von kooperativen Logistikstrukturen unter Wettbewerbern.

IT als verbindendes Element zwischen Handelskonzepten und Logistiklösungen

Zukünftig soll eine IT-Plattform eine kurzfristige und bedarfsgerechte Kooperation ermöglichen. Auf der Plattform können die Transporte gebündelt werden, so dass sich die Anzahl der tatsächlich notwendigen Fahrten reduziert. Leerfahrten werden vermieden, die Effizienz der Transporte nimmt zu und gleichzeitig profitieren die Handelspartner von höherer Flexibilität. Grundlage dafür ist eine standardisierte informationstechnische Kommunikation.

Mit erfolgreicher Umsetzung des Projekts werden die Logistikstrukturen flexibler und sind gegen die zunehmende Dynamisierung der Märkte gewappnet. Auf diese Weise werden individuelle Handelskonzepte für die Rentnerin, den Juniorberater und den Pianisten möglich und durch die Logistik kosten- und ressourcenoptimal erfüllbar. „Logistik schafft Effizienz“ – so lautet der Slogan des EffizienzClusters LogistikRuhr. Durch Projekte wie „Urban Retail Logistics“ wird er mit Leben gefüllt.
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